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Löst sich das Wohnungsproblem längerfristig von selber?

09.07.2025 Albert Leiser

Haben Sie auch gelesen, dass die Nachfrage nach Wohnraum langfristig sinken und der Wohnungsmangel sich wieder einpendeln dürfte? Diese Meldung beruft sich auf eine Studie der UBS. Als Begründung wird auf die demographische Entwicklung verwiesen.

Das Bevölkerungswachstum könnte sich demnach bis 2045 nahezu halbieren, was zu einem deutlichen Rückgang der Zusatznachfrage nach Wohnungen führen würde. Selbstverständlich sind solche Argumente, die Modellrechnungen und die statistischen Grundlagen, auf denen sie beruhen genauer zu prüfen. Die Studie differenziert denn auch in mancherlei Hinsicht. Allerdings ist 2045 selbst für Immobilienentwickler noch sehr weit weg und wer jetzt eine Wohnung sucht, den tröstet das sicher nicht.     

Die Stadt Zürich ist ohnehin ein Spezialfall. Im Ranking der lebenswertesten Städte nimmt sie seit Jahren konstant einen Spitzenplatz ein. Dieses Jahr schaffte sie es weltweit auf Platz zwei. Kein Wunder übersteigt die Nachfrage nach Wohnungen deren Produktion. In absehbarer Zeit genügend Wohnungen zu bauen, ist erwiesenermassen unmöglich. Dazu sind die Hindernisse einfach zu gross und dauert die Realisierung von Bauprojekten viel zu lange. Von all den Bauvorhaben, die Opfer der vielen Schutzvorschriften geworden sind, ganz zu schweigen. Kann sein, dass sich ein Rückgang der Nachfrage irgendwann - in sehr weiter Ferne – auch in Zürich bemerkbar macht, zurzeit muss die Devise aber lauten: Bauen, bauen, bauen. Möglichst schnell, möglichst viel.

Daher muss es zu denken geben, wenn an der Wahlveranstaltung der Zürcher SP für ihre Stadtratskandidaten stattdessen von kaufen, kaufen, kaufen die Rede war. Im Interesse der baulichen Entwicklung der Stadt wünscht man sich jedenfalls einen Stadtrat, der nicht nur bestehende Wohnungen kauft, sondern den Bau von neuen erleichtert - auch für private Bauträger. Mindestens so gefragt wäre zudem der Wille und die Fähigkeit, die derzeitigen Bewohner davon zu überzeugen, dass Verdichtung nicht nur absolut notwendig, sondern auch quartierverträglich möglich ist. Dafür könnte man getrost auf das eine oder andere eh zum Floppen verurteilte Quartierprojekt verzichten.

Wie die Situation 2045 sein wird, weiss ich nicht. Eines scheint mir aber sicher: Von selber wird sich das Wohnungsproblem nicht lösen..