• Sommergewitter: Schützen Sie sich und Ihr Haus

Sommergewitter: Schützen Sie sich und Ihr Haus

11.06.2020 MIRJAM KALBERMATTEN, Vereinigung Kantonaler Feuerversicherungen VKF

Plötzlich verdunkelt sich der Himmel, böige Winde ziehen auf und aus der Ferne ist Donner zu hören. Diese Vorboten eines Sommergewitters sind bekannt. Doch was kann man tun, um sich und sein Haus in solchen Momenten zu schützen? Erfahren Sie in diesem Beitrag, welche wichtigen Massnahmen ergriffen werden können.

Sommergewitter bringen neben Blitz und Donner meist auch Hagel, starken Regen und Sturm – mögliche Gefahren für Mensch und Gebäude. Gut drei Viertel aller Gebäudeschäden durch Naturgefahren entstehen nämlich durch diese Naturerscheinungen. Besonders exponiert ist die Gebäudehülle. Die beste Prävention besteht aus einer naturgefahrensicheren Bauweise und gutem Gebäudeunterhalt. Als Eigentümer sollte man sich bei einem Neu- oder Umbau frühzeitig mit dem Thema Naturgefahren und der richtigen Materialisierung auseinandersetzen – der eigenen Sicherheit und dem Werterhalt der Immobilie zuliebe.

Hagel – kleine Körner, grosse Schäden

Hagel ist ein Phänomen, das trotz intensiver Forschung noch immer schwer und deshalb nur kurzfristig vorhersehbar ist. Tatsache ist, dass Hagelschäden zunehmen. Im Zeitraum 2009 bis 2018 war Hagel für fast 50% aller Gebäudeschäden verantwortlich. Beim Aufprall eines Hagelkorns wirken grosse Kräfte, auch auf Gebäude: Ein 3 cm grosses Hagelkorn fällt mit 90 km / h vom Himmel. Durch Hagelschauer können Schäden entstehen, die aufwendige Reparaturen oder Folgeschäden nach sich ziehen, beispielsweise wenn Dach oder Fassade beschädigt und undicht werden. Doch Hagelschäden und ihre Folgen lassen sich vermeiden – durch hagelsicheres Bauen. Deshalb sollte bei jedem Neubau und bei jeder Sanierung der Gebäudehülle an Hagelschutz gedacht werden. In den meisten Fällen ist ein besserer Schutz vor Hagel ohne Zusatzkosten zu erreichen. Die wichtigste Rolle spielt die Materialwahl. Beim Neubau gewährleisten geprüfte, hagelsichere Baumaterialien Schutz. Auch der nachträgliche Ersatz von Bauteilen oder eine zusätzliche Schutzmassnahme nach einem Schadenfall sind oft schon mit einem kleinen finanziellen Aufwand möglich. Hagelsichere Bauteile sind unter www.hagelregister.ch aufgeführt. Die im Hagelregister eingetragenen Produkte wurden von anerkannten Prüfstellen auf ihren Hagelwiderstand hin getestet.

Als Sofortmassnahme sollten bei drohendem Hagel alle Lamellenstoren hochgezogen werden. Die darunterliegenden modernen Fenster sind heute sehr robust und wenig anfällig für Hagelschlag. Gemeinsam mit SRF Meteo und NetIT-Services bieten die Kantonalen Gebäudeversicherungen das Hagelwarnsystem «Hagelschutz – einfach automatisch» kostenlos an. Die Gebäudesteuerung ruft regelmässig die punktgenauen Informationen zur Hagelgefahr ab. Bei akuter Hagelgefahr fahren die Storen automatisch hoch und sind so vor Beschädigungen sicher. Ist der Hagelzug vorüber, sorgt ein zweites Signal dafür, dass sich die Storen wieder in die vordefinierte Position bewegen. Das Alarmierungssystem trägt zur Werterhaltung der Investition bei, indem es auf intelligente Art Lamellenstoren und andere Sonnenschutzsysteme vor Hagel schützt.

Lamellenstoren

Lamellenstoren und andere Sonnenschutzsysteme können bei Hagel schwer beschädigt werden. BILD VKF

Starkregen – grosse Wassermengen in kürzester Zeit

Während eines Sommergewitters fällt viel Regen in kurzer Zeit. Dieses Wasser kann vom Boden nicht aufgenommen werden, und es fliesst an der Bodenoberfläche ab («Oberflächenabfluss »). Schäden entstehen, wenn Wasser auf ein Gebäude zufliesst und durch Öffnungen wie Türen, Tore und Fenster eindringt – oder wenn die Kanalisation überlastet ist und es zu einem Rückstau kommt. Anfällig sind auch Wasserabläufe vom Balkon, von der Terrasse oder vom Dach. Sind sie verstopft, kann dies ebenfalls zu Überschwemmungen führen. Bereits wenig Wasser, das an einer kritischen Stelle ins Gebäude eindringt, kann grosse Schäden verursachen. Besonders gefährlich wird es, wenn das Wasser über Fluchtwege in Untergeschosse gelangt oder Elektroinstallationen tangiert. Nässe und Schmutz beschädigen auch unwiederbringliche immaterielle Werte. Betroffene Räume wie Keller oder Einstellhallen, aber auch Lifte sind umgehend zu verlassen. Gewässer und Geländemulden sollten gemieden werden. Fliessendes Wasser ist viel stärker, als es scheint. Es kann Personen oder Fahrzeuge mit sich reissen.

Sturm – plötzliche Zunahme der Windstärke

Wenn ein Gewitter aufzieht, nimmt der Wind oft sprunghaft bis auf Sturmstärke zu, und es ist ein deutlicher Temperaturrückgang spürbar. Ein Sturm kann beachtliche Kräfte auf ein Gebäude wirken lassen. Je nach Form und Grösse des Gebäudes können zudem Wirbel entstehen, welche die Kraft des Windes vervielfachen. Diese Kräfte «zerren» an Dach und Fassade des Gebäudes. Die Schweizer Baunormen verlangen eine ausreichende Sturmfestigkeit von Gebäuden. Deshalb ist darauf zu achten, dass alle Bauteile der Gebäudehülle diesen Normen entsprechen – vor allem Dacheindeckungen, vorgehängte Fassaden sowie An- und Aufbauten wie Solaranlagen. Besteht Unsicherheit darüber, ob die Normen eingehalten wurden, kann ein Spezialist weiterhelfen (beispielsweise ein Dachdecker oder Fassadenbauer). 

Von herumfliegenden Gegenständen, herabfallenden Ästen und umfallenden Bäumen geht grosse Gefahr aus. Deshalb sollte in einem Gebäude mit geschlossenen Fenstern, Türen und Toren Schutz gesucht werden. Wenn dies nicht möglich ist, sollte die Nähe zu Objekten wie Bäumen oder Gebäuden vermieden werden. Auch Gartenmöbel und andere lose Gegenstände wie Trampoline können herumfliegen oder umstürzen.

Die wichtigsten Empfehlungen

  • Beugen Sie vor, und machen Sie Ihren persönlichen Naturgefahren-Check unter www.schutz-vor-naturgefahren.ch/gewitter 
  • Meiden Sie überschwemmte Räume oder Gewässer
  • Suchen Sie bei aufziehenden Gewittern umgehend Schutz
  • Ziehen Sie alle Lamellenstoren hoch
  • Finden Sie hagelsichere Bauteile unter www.hagelregister.ch 
  • Sichern Sie lose Gegenstände wie Gartenmöbel gegen das Wegfliegen
  • Befreien Sie Wasserabläufe (z. B. Dachrinnen) regelmässig von Laub
  • Lassen Sie das Dach Ihres Gebäudes nach einem schweren Sturm oder Hagel, aber mindestens alle zehn Jahre, vom Dachdecker kontrollieren